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Schuldneratlas 2019 veröffentlicht: Überschuldung trifft mehr und mehr Ältere

 

Zuerst die gute Nachricht: Laut Schuldneratlas der Creditreform sind rund 10.000 Menschen weniger überschuldet als noch im letzten Jahr. Dieser leichte Rückgang begründet sich aus einer Abnahme von Überschuldungsfällen mit hoher Intensität und betrifft vor allem Männer unter 50 Jahren.

 

Auch für das Bundesland Thüringen zeigen sich positive Veränderungen. Der Freistaat hat nach Bayern und Baden-Württemberg die geringste Überschuldungsquote (9,25%). Dabei haben sich sowohl die Anzahl der Überschuldungsfälle als auch die Überschuldungsquote erneut im Vorjahresvergleich und auch langfristig seit 2004 verringert.

 

Die zuletzt gute Situation auf dem Arbeitsmarkt sorgt dafür, dass das Überschuldungsrisiko relativ gering ist. Insbesondere die Jüngeren dürften hiervon massiv profitieren, was sich in dem starken Rückgang der Überschuldungsfälle bei den Unter-30-Jährigen zeigt. Trotz des in dieser Altersgruppe häufig genannten Auslösers „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ ist erfreulicherweise sogar ein Rückgang weicher Negativmerkmale zu verzeichnen.

 

Überhaupt nicht erfreulich ist allerdings, dass wie auch im Vorjahr mehr und mehr Frauen in die Überschuldung geraten. Als Ursache hierfür sehen die Autoren und Autorinnen des Schuldneratlas eine Zunahme der finanziellen Selbstständigkeit bei den Frauen, sei dies nun über sich verändernde Rollenbilder oder als Alleinerziehende.

 

Problematisch ist ebenso die starke Zunahme der Altersüberschuldung. Die Überschuldungsquote hat sich allein bei den Über-70-Jährigen seit 2017 fast verdoppelt und betrifft damit rund 381.000 Personen. Die Überschuldungs- bzw. Armutslage der Älteren deckt sich auch mit den Angaben der Tafel Deutschland und den Zahlen der geringfügig Beschäftigten über 60 Jahren. In beiden Bereichen sind starke Zuwächse zu verzeichnen und verdeutlichen die Existenznöte.

 

Trotz der guten Konjunkturellen Lage und im Angesicht einer drohenden Rezession sind die nur geringen Rückgänge der Überschuldungszahlen ein düsterer Ausblick. Mit einer Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation in Kombination mit den sich ausweitenden „nachhaltigen Zahlungsstörungen“ steht einer Zunahme der Überschuldungsfälle mit hoher Intensität Tür und Tor offen.

 

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Überschuldete insgesamt:                         6,92 Mio. Über-18-Jährige

2,7 Mio. Frauen

4,22 Mio. Männer

3,46 Mio. Haushalte

Überschuldungsquote:                             10,00%

Schuldenvolumen:                                   202 Mrd. Euro

Schuldenhöhe pro Person:                        29.200 Euro im Durchschnitt

 

Den kompletten Schuldneratlas finden Sie hier.

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